Spendenaufruf
Trotz rückläufiger Spendeneinnahmen halten wir daran fest, jährlich rund eine Million Franken für sorgfältig ausgewählte Projekte zu vergeben. Eine weitere Million stellt unsere Schwesterstiftung IRP in Genf bereit. Auf diese Weise kann der international ausgerichtete, gemeinsame Forschungsrat mit seinen Spezialisten dem Anspruch gerecht werden, für die beiden Stiftungen Mehrwert zu schaffen und in Bereichen, die die öffentlich geförderte Forschung nicht berücksichtigt, Wirkung zu erzielen.
Der Bericht über die Finanzentwicklung 2007 der Stiftung IFP in Zürich zeigt, dasdass das Gleichgewicht nicht mehr gegeben ist:
Die Aufwendungen für die Projektfinanzierungen betragen mit Fr. 1`200`713 wiederum deutlich über eine Million Franken. Zusammen mit den Ausgaben für die forschungsbezogene Administration und die Geschäftsstelle sowie zwei Nummern der Informationsschrift „regeneration“ beläuft sich der gesamte Aufwand auf Fr. 1'436`454. Demgegenüber stehen Einnahmen von Fr. 524`465.44, die sich aus Spendeneinnahmen und Wertschriftenerfolg zusammen setzen. Die Spenden liegen um Fr. 130`000, die Wertschriftener-träge um Fr. 200'000 unter dem Budget. Vor allem diese beiden Faktoren hatten zur Folge, dass der Ausgabenüberschuss nun Fr. 911`989 beträgt statt wie budgetiert Fr. 556`713.
Forschungsförderung durch Private
aus Regeneration Ausgabe 26, Winter 2006
von Ernst Buschor
In der Schweiz und allgemein in Kontinentaleuropa wurde die Grundlagenforschung weitgehend durch den Staat finanziert. Dies galt auch – und gilt immer noch – für die tertiäre Ausbildung. Anders verlief die Entwicklung im anglo-amerikanischen Raum. Schon früh wurde die Forschung in starkem Masse durch private Geldzuwendungen finanziert. Dies führte dazu, dass heute einzelne Spitzenuniversitäten der USA über zweistellige Milliardenbeträge an Stiftungsvermögen verfügen, aus denen Lehre und Grundlagenforschung mitfinanziert werden. Allerdings hat der Bund in den USA bis in die neuere Zeit hauptsächlich über die Raumfahrt und das Verteidigungsministerium die Grundlagenforschung ebenfalls massgeblich unterstützt.
Wir sind alle gefordert:
Prof. Dr. Ernst Buschor, Präsident des IFP-Stiftungsrates
Private Initiative dank steuerlicher Anreize
Die privaten Unterstützungen wurden in den USA auch durch grosszügige steuerliche Abzugsmöglichkeiten solcher Zuwendungen zugunsten von Wissenschaft und Forschung gefördert. Europa und die Schweiz haben hier noch einen erheblichen Nachholbedarf. Mit einer kürzlichen Gesetzesrevision sind beim Bund die steuerlichen Rahmenbedingungen für die Bundessteuern verbessert worden.
Im Verteilungskampf kommt die Forschung zu kurz
Zwar hat sich die Europäische Union im Rahmen der Lissabon-Erklärung vorgenommen, bis Ende dieses Jahrzehnts die USA im Bereich der Forschung einzuholen. Dazu sollte der Anteil der öffentlichen Forschungsausgaben am Sozialprodukt auf mindestens 3 % gesteigert werden. Dieses Ziel wird aber bis jetzt nur von einzelnen nordischen Ländern erreicht. Die meisten Länder – darunter auch die Schweiz – kämpfen mit Haushaltsdefiziten, welche solche Mehraufwendungen zugunsten der Forschung kaum oder nicht erlauben. Der Hauptgrund liegt im wesentlich stärkeren Wachstum der Gesundheits- und Sozialausgaben, sodass wir heute eine Substitution von Bildungs- und Forschungsausgaben durch Gesundheits- und Sozialausgaben feststellen.
Forschung lohnt sich
Der ständige Druck des Gesundheits- und Sozialausgabenwachstums auf die übrigen Ausgabenkategorien hat sich auch auf die Ausgaben für Grundlagenforschung ausgewirkt, die insgesamt zwar noch leicht wachsen, aber neuerdings in einzelnen Branchen sinkenden privaten Forschungsaufwendungen gegenüberstehen. Erfreulicherweise ist die Schweiz sowohl beim Wachstum als auch beim Anteil der privaten Forschungsaufwendungen immer noch in der Kopfgruppe, was vor allem auf die hohen Ausgaben der Pharmaindustrie von rund 10 Milliarden Franken zurückzuführen ist. Ohne diese Rekordsummen für Forschung könnte die Schweizer Pharmaindustrie ihre weltweite Spitzenposition nicht halten. Forschung rechnet sich also durchaus! Dabei unterstützt vor allem die Pharmaindustrie auch die Grundlagenforschung.
Private Unterstützung wird zum Massstab
Der vorab von den Gesundheits- und Sozialausgaben ausgehende Druck auch auf die Grundlagenforschungsbudgets hat die Hochschulen veranlasst, sich in vermehrtem Masse – wie in den USA – um Drittmittel zu bewerben. Unterdessen ist auch in Kontinentaleuropa das Ausmass der Drittmittelanwerbung zu einem wichtigen Indikator geworden: Die Drittmitteleingänge werden durch höhere öffentliche Mittelzuweisungen »honoriert«. Dies ist insofern richtig, als private Dritte vor allem bei der Grundlagenforschung nur einen Teil der Aufwendungen übernehmen und substantielle Eigenleistungen des Forschungsträgers einfordern.
Paradigmawechsel
Es ist sowohl in der europäischen als auch der schweizerischen Forschungslandschaft ein Paradigmawechsel im Gang, indem die öffentliche Hand von einer substantiellen privaten Mitfinanzierung der Forschung ausgeht und solche Anstrengungen zur privaten Mittelbeschaffung sogar honoriert. Für die Geförderten kann dabei insofern ein Spannungsverhältnis entstehen, als wissenschaftliche Erkenntnisse an sich umgehend jedermann zugänglich gemacht werden sollten, während Sponsoren vorerst möglichst allein von ihrem Investment profitieren möchten. Bei staatlich mitfinanzierter Forschung (im Unterschied zur voll bezahlten Entwicklungsforschung) muss die öffentliche Zugänglichkeit der Forschungsergebnisse aber sichergestellt werden.
Es geht um die Innovationskraft
Da sowohl die wachsende Verschuldung als auch das aus demografischen Gründen hohe Wachstum der Gesundheits- und Sozialausgaben anhalten wird, ist weiterhin mit einem hohen Druck auf die öffentlichen Forschungsaufwendungen zu rechnen. Die Innovationskraft der Volkswirtschaften – die wichtigste Quelle unseres Wohlstandes – wird daher in wachsendem Masse von privaten Mitteln gefördert werden müssen. Die Schweiz ist zwar ein Land der Stifter, denn das Stiftungskapital pro Einwohner liegt in den Spitzenrängen. Allerdings werden die Stiftungen vor allem für soziale Zwecke gegründet; nach wie vor wird – im Unterschied zum anglo-amerikanischen Raum – davon ausgegangen, dass Grundlagenforschungsförderung eine öffentliche Aufgabe sein soll.
Die wissenschaftlichen Institutionen müssen sich vermehrt anstrengen, potentielle Stifter von den gemeinnützigen Vorteilen wissenschaftlicher Stiftungen zu überzeugen. Diese Bemühungen sollten von Bund und Kantonen insofern unterstützt werden, als die Abzugsmöglichkeiten für derartige Zuwendungen grosszügiger zu gestalten sind. Hier besteht insbesondere bei einigen Kantonen noch ein erheblicher Nachholbedarf.
Konkurrenz der Schwellenländer
Auch die Forschenden werden vermehrt gefordert sein. Unterdessen haben verschiedene Schwellenländer ökonomisch massiv aufgeholt, während die schweizerische Volkswirtschaft weitgehend stagnierte. Einzelne dieser Schwellenländer werden daher in wachsendem Masse zu ernst zu nehmenden Forschungskonkurrenten dank niedrigerer Löhne und hoher Leistungsbereitschaft. Als weiterer bedrohlicher Aspekt ist der Umstand zu berücksichtigen, dass auch die Forschung zunehmend in die erfolgreichen Märkte verlegt wird, was bei stagnierenden und im allgemeinen kleinen Schweizer Märkten zu einem zusätzlichen Forschungsexport führen kann. Wir werden insbesondere dafür sorgen müssen, dass die Klein- und Mittelbetriebe mit den Hochschulen gut vernetzt sind, was teilweise schon in einem international vorbildlichen Masse der Fall ist.
Vernetzung weiter verbessern
Forschende, Wirtschaft und Staat sind somit in der Schweiz gefordert, wenn wir in unserem rohstoffarmen Land unsere wichtigste Quelle des Wohlstandes, die Innovationskraft, erhalten und steigern wollen. Dabei ist es auch wichtig, dass wir Forschungsergebnisse im Markt in Produkte umsetzen. Hier haben wir insofern Defizite, als wir bei den Patenten pro Einwohner an der Weltspitze sind, aber (zu) vieles nicht in Marktprodukte umsetzen. Wir sind bessere Forscher als Umsetzer! Wir brauchen daher ein vertieftes Networking zwischen Hochschulen und Wirtschaft und eine klare, auf starke Forschungs- und Produktionscluster ausgerichtete Wirtschaftspolitik, wie sie im Grossraum Basel beim Pharmabereich in vorbildlicher Form besteht.
Es bleibt also noch viel zu tun, wobei auch den Forschungsstiftungen eine wachsende Führungsrolle nicht nur im Dienste des Wirtschaftswachstums, sondern auch der Lebensqualität der Bevölkerung zukommt. Unsere Paraplegieforschung ist ein Baustein in der für uns vitalen Forschungslandschaft. Unsere Bemühungen zur Linderung oder gar Heilung von Krankheiten des zentralen Nervensystems, namentlich Paraplegie, sind aber von grosszügigen, gemeinnützigen Zuwendungen abhängig.
Ich danke allen Spendern für Ihre Beiträge.




